World Energy Outlook 2012

Ein Kommentar von Werner Zittel

Es hat inzwischen komische, ja fast schon rituelle Züge: Jedes Jahr im November veröffentlicht die Internationale Energieagentur ihren World Energy Outlook auf die kommenden 20 – 25 Jahre. Diese Ergebnisse werden dann – woran die IEA mit ihren Pressemitteilungen und Präsentationsveranstaltungen durchaus einen Anteil hat – in verkürzter und teilweise verfälschter Form von der Presse verbreitet mit dem Tenor: Alles wird so weitergehen wie bisher. Unterschlagen werden kritische Äußerungen zu bevorstehenden Problemen, die auch in der Kurzfassung breiten Raum einnehmen. Die öffentliche Presse interpretiert, dass die Energieversorgung für die kommenden 20 Jahre gesichert sei, um der Welt und insbesondere den wohlhabenden Staaten einen steigenden Wohlstand zu garantieren. Und die Kritiker schreien jedes Mal entrüstet auf und bemühen sich, in akribischer Detailanalyse des Berichtes Widersprüche zu suchen.

Seit mehr als 10 Jahren steht diese Botschaft zunehmend im Gegensatz zu den offensichtlichen Realitäten, was aber oft nicht einmal Erwähnung findet und beharrlich übergangen oder als kurzfristiges Problem beschworen wird: Die Energiepreise haben sich deutlich erhöht – ein Ende ist nicht in Sicht. Autohersteller und Flugzeugbetreiber müssen sich seit Jahren um ihre Kundschaft sorgen – Die US Fluggesellschaften erlebten in dieser Zeit einen Schrumpfungs- und Bereinigungsprozess. Den damals größten Autohersteller GM gäbe es heute nicht mehr, hätte der Staat ihn nicht gerettet. Aktuell muss der französische Staat seinen Autofirmen finanziell unter die Arme greifen. Fischereien und Logistikunternehmen empfinden die hohen Ölpreise zunehmend als geschäftsbedrohend.

Die Rohölpreise haben sich seit Ende der 90er Jahre von 20 US$/bbl auf um die 100 US$/bbl erhöht (siehe WEO 2012, Seite 42) mit einem Spitzenausschlag im Juli 2008 von über 140 US$/bbl. Das Wirtschaftsgefüge ist schwer angeschlagen. Und der seit dem Jahr 2000 deutlich gestiegene Ölpreis bildet einen wesentlichen Faktor hierbei. Dieser hatte durchaus einen Anteil an der Auslösung der Finanzkrise im Jahr 2008 i. Die hohen Ölpreise führten beispielsweise in den USA dazu, dass der Verbrauch seit 2005 um fast 10 % gefallen ist. Peak Oil ist hier bereits Realität. Nur der Durst der finanzkräftigen „Emerging Economies“ nach Öl sorgte in Summe für einen weltweit stagnierenden oder noch leicht steigenden Ölverbrauch.

Dabei wäre es einfach, über statistisch belegbare Zeitreihen zu belegen was Konsens hinsichtlich der Erschöpfung fossiler Energievorräte ist, aber auch die Unsicherheiten und offenen Fragen anzusprechen und die Mächte der Welt unisono auf die notwendige Umstrukturierung vorzubereiten, wie dies ja im WEO 1998, WEO 2008 oder WEO 2011 ansatzweise erfolgte. Warum passiert das nicht? Warum benutzt das mächtigste energiepolitische Organ der OECD Staaten diese Chance nicht zu entsprechender Aufklärung, sondern vernebelt mit mißdeutbaren und auch bewusst desinformierenden Aussagen den Blick auf die Entwicklung, die schon längst im Gange ist und das „Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen“ einleitet?

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