Autorenpapier der grünen Bundestagsfraktion: Weg vom Öl – hin zu den Erneuerbaren Energien

Autoren: Hans-Josef Fell MdB und Oliver Krischer MdB

Die Internationale Energieagentur (IEA) und die Mineralölkonzerne haben über Jahre und Jahrzehnte die ebenso falsche wie fatale Botschaft ausgesendet, es gebe auf lange Sicht genügend Öl und die Preise blieben niedrig. Der Welt wurde ausgehend von wirtschaftlichen Interessen der Mineralölkonzerne suggeriert, – meist präsentiert über die Internationale Energie Agentur (IEA) – man bräuchte sich bis weit ins 21. Jahrhundert hinein keine Sorgen machen und eine Erdöl- Vermeidungsstrategie sei überflüssig. Dies hat sich als falsch erwiesen. Dadurch ging wichtige Zeit verloren, die unsere Volkswirtschaften zur Vorbereitung auf die Erdölverknappung benötigt hätten. Sämtliche institutionellen Frühwarnsysteme haben versagt – mit drastischen Konsequenzen. Doch internationale Wissenschaftler wie etwa die Energy Watch Group (EWG) haben frühzeitig gezeigt, dass das Erdöl immer knapper wird und die Preise immer weiter steigen werden. Es ist an der Zeit, dass wir so schnell wie möglich vollständig raus aus dem Erdöl kommen und bereits jetzt Alternativen fördern und nutzen. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien, der Energieeffizienz und der Energieeinsparung müssen weiter vorangetrieben werden – sowohl national als auch international.

Doch dies gelingt nur mit einer ambitionierten, verlässlichen und ganzheitlichen Strategie. Wer in der Politik ganze Industriebereiche von Energiesteuern (teil-)befreit, die in keinem internationalen Wettbewerb stehen oder Subventionen wie die Erhöhung der Pendlerpauschale vorschlägt, versucht den Brand mit billigem Benzin zu löschen. Doch wer so denkt, investiert in Wahrheit in Brandbeschleuniger. Anstatt mit untauglichen Versuchen die Nutzung billigen Erdöles zu verlängern, was im Endeffekt nur das Verknappungsproblem noch vergrößert, müssen wir weltweit große Summen in Energieeinsparung und unbegrenzte erneuerbare Energieträger investieren. Die Prognosen über den Erdölpreis waren in der Vergangenheit immer falsch. Er wurde stets zu niedrig angegeben. So hatte die IEA im Jahre 2004 für 2010 einen Ölpreis von 22 Dollar/Barrel prognostiziert. In der Realtät liegt er seit Jahren um oder über 100 Dollar. Es spricht alles dafür, dass auch die derzeitigen Prognosen für 2015 oder 2020 viel zu gering angesetzt sind. Erdöl und damit Benzin, Diesel und Kerosin werden zu Luxusgütern. Davon sind nicht nur die ärmeren Bevölkerungsschichten in Deutschland, sondern viele Menschen weltweit betroffen. Ganz besonders werden diejenigen Entwicklungsländer in Afrika, Asien und Lateinamerika unter den Preissteigerungen leiden, die über keine eigenen Erdölvorräte verfügen. Dort geraten die privaten Haushalte und die Staatshaushalte unter erheblichen Druck. Zudem wird der ‚Run‘ auf die verbleibenden Ölquellen durch die großen Verbraucherländer zunehmen und die Ressourcenkonflikte verschärfen. Steigende Erdölpreise bedeuten aber nicht nur steigende Heizkosten und Spritpreise sondern auch höhere Produktionskosten insbesondere für Nahrungsmittel und viele chemische Produkte. Die Inflation steigt. Die siebziger Jahre mit der ersten Ölkrise lieferten einen Vorgeschmack. Nur waren die damaligen Erdölkrisen auf eine politisch verursachte Verknappung durch die OPEC Staaten zurück zu führen und es wurden noch wichtige neue Erdölfelder entdeckt oder erschlossen, wie in der Nordsee. Heute kann aber selbst beim besten Willen nicht mehr Erdöl gefördert werden. Der Höhepunkt der Erdölförderung ist überschritten wie die stagnierende Förderung seit 2005 belegt, unkonventionelle Erdölerschließungen, wie Tiefseeöl und Ölsande können die Erdöllücke bei weitem nicht schließen, erhöhen aber dramatisch die Umweltschäden. Das zeitgleich der globale Nachfragedruck stark zugenommen hat, macht das Problem nur noch größer. Erdgas, Kohle und Uran bieten keinen nachhaltigen Ausweg aus der Erdölkrise, denn ihre Preise ziehen mit den Erdölpreisen konsequent nach oben. Auch Shale gas (sog. unkonventionelles Erdgas) – welches kurzfristig in den USA die Gaspreise sinken ließ – wird allerhöchstens nur eine kurze Verschnaufpause bringen. Sie sind ebenfalls endlich und ihre Preise sind in der jüngsten Vergangenheit schon bei den ersten Verknappungstendenzen sehr stark angestiegen. Wer auf diese Energien als Alternative zum rapide schwindenden Erdöl setzt, verschwendet nur weitere Zeit und Mittel.

Die Erdölkrise als ökonomischer Faktor ist nicht erst in den kommenden Jahren zu erwarten. Sie ist vielmehr schon heute massiv vorhanden, nur kaum ein Ökonom will dies wahrnehmen. Dabei gab es vor etwa acht Jahren viele warnende Stimmen, dass die Weltökonomie einen Ölpreis über 100 Dollar/Barrel nicht schadlos überstehen könne. Heute haben wir einen Ölpreis in dieser Höhe und tatsächlich leiden viele Weltregionen unter erheblichen ökonomischen Schwierigkeiten – nur als Ursache wird dies kaum beschrieben. Dabei sind die Fakten klar: Die Eurokrise ist auch eine Erdölkrise: So versuchen viele europäische Länder mit einer Erhöhung der Staatsverschuldung ihre negativen Außenhandelsbilanzen auszugleichen, was zu der bekannten Staatsverschuldung und Eurokrise führte. Im letzten Jahr betrug das Außenhandelsdefizit der EU 27 etwa 120 Mrd. Euro und die Importrechnungen für fossile Rohstoffe lag über 400 Mrd Euro. Die Preissteigerung der letzten Jahre beim Erdöl ist also ein entscheidender Faktor für die europäische Wirtschaftskrise. Die Erneuerbaren Energien haben in den letzten Jahren immense Fortschritte bei Technik und Kostensenkung gemacht. Sie machen in Deutschland mittlerweile über 25 Prozent der Stromversorgung aus. Zusammen mit einer umfassenden Energie- Einsparstrategie liegt darin eine große Chance für den Klimaschutz, zur Bekämpfung der Eurokrise und für den Technologiestandort Deutschland.

Das Papier möchte daher einen Beitrag zu den Ursachen, Auswirkungen und Auswegen aus der Erdölverknappungskrise leisten: zum Download des vollständigen Papiers (pdf)

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